Corona Borealis – Die Nördliche Krone

Ein Überblick über das Sternbild Nördliche Krone – Corona Borealis

Dr. Achim Tegeler, 16.05.2024


Das Sternbild Nördliche Krone oder Corona Borealis ist leicht zwischen den Sternbildern Bärenhüter (Bootes) und Herkules zu finden. Es zeigt eine gut erkennbare, nach oben geöffnete Ringstruktur, die von sieben relativ gut erkennbaren Sternen gebildet wird. Wir finden hier sehr interessante Sterne…


Der hellste dieser in der griechischen Antike als „Krone“ gesehenen Struktur ist α CrB, auch Gemma (lat. Edelstein) oder Alphecca (arab. al-fakkah = der gebrochene (Ring)) genannt.


Das Sternbild Corona Borealis zwischen den Sternbildern Herkules und Bootes. Infos bei Mouseover. Photo: Gerold Holtkamp


Die Nördliche Krone gilt als recht unscheinbar, jedoch birgt sie interessante veränderliche Sterne, Doppelsterne und Galaxienhaufen (Abell 2065 (ca. 400 Galaxien) und Abell 2142 (zwei miteinander verschmelzende Galaxienhaufen [1])).


α CrB ist ca. 75 Lichtjahre von der Erde entfernt und gehört zur Spektralklasse A0. Darüber hinaus ist dieser Stern ein Bedeckungsveränderlicher, der alle 17,36 Tage seine Helligkeit um ca. 0,1 mag verringert, weil ein dunklerer Begleitstern vor ihm vorbeizieht.

Die Nördliche Krone enthält noch weitere Veränderliche Sterne, die ihre Helligkeiten aufgrund unterschiedlicher physikalischer Vorgänge verändern.


So stellt R CrB den Archetyp der unregelmäßig Veränderlichen (RCB-Sterne) dar, die ihre Helligkeit in unbestimmten Zeitintervallen verändern. Die Helligkeitsveränderung ist jedoch dabei nicht auf einen Begleitstern zurückzuführen, sondern man geht bei diesem Phänomen davon aus, dass diese Sterne von Zeit zu Zeit Teile ihrer Gashülle aus Helium und Kohlenstoff abstoßen, und der Kohlenstoff dann zu rußähnlichen, lichtundurchlässigen Wolken kondensiert. Dabei sinkt die Helligkeit des Sterns um bis zu neun Größenklassen, um dann nach Abdriften der „Rußwolke“ langsam wieder die Ursprungshelligkeit von ca 5,7 mag zu erreichen [2].


S CrB ist ein regelmäßig veränderlicher Stern vom Typ Mirastern [3], der alle 360 Tage seine Helligkeit verändert. Mirasterne sind langperiodisch veränderliche Sterne (Intervalle zwischen 80 bis 1000 Tagen), die aufgrund des Kappa-Mechanismus pulsieren. Der Kappa-Mechanismus stellt eine pulsierende Veränderung des hydrostatischen Gleichgewichts im Stern dar, bei der zwischen nach außen wirkendem Strahlungsdruck und nach innen wirkender Gravitation oszillierend hin- und hergewechselt wird. Der Grund für diese Pulsation wird in der Opazität (Undurchlässigkeit) an einigen Stellen der Sternoberfläche gesehen, die sich je nach Temperatur und Druck pulsierend auf- und wieder abbaut [4]. Dieser Mechanismus ist auch bei den Cepheiden der Grund für die Pulsation der Helligkeit, diese zeigen allerdings eine sehr hohe Regelmäßigkeit, sodass bei Cepheiden eine direkte Abhängigkeit zwischen Leuchtkraft und Pulsationsdauer besteht (Perioden-Leuchtkraft-Beziehung).


U CrB ist ein sog. Algolstern, ein Doppelsternsystem, bei dem sich zwei Sterne in der Sichtebene zur Erde hin umkreisen und dabei jeweils regelmäßig zwei typische Helligkeitseinbrüche erfolgen: Ein kleinerer Einbruch, wenn der größere, hellere Stern den kleineren bedeckt, und ein größerer Einbruch, wenn der dunklere, massearme Stern den größeren bedeckt [5].


Der aktuell wohl interessanteste Stern in der Nördlichen Krone ist allerdings T CrB, ein kataklysmisch veränderlicher Stern [6] mit einer wiederkehrenden Nova. Hier umkreisen sich zwei Sterne, ein kleinerer Weißer Zwerg, der Masse von seinem Begleiter, einem Roten Riesen, abzieht – die sog. Akkretion. Bei dieser Akkretion sammelt sich die Materie um den weißen Zwerg in einer Akkretionsscheibe und fließt ab einer bestimmten, kritischen Masse dann auf die Oberfläche des Weißen Zwergs und die potentielle Energie wird in Form einer einer Nova freigesetzt. Diese Nova so hell ist, dass der eigentlich schwer erkennbare Stern plötzlich zum hellsten Objekt in der Nördlichen Krone werden wird. Das ganze Schauspiel wird nur wenige Tage dauern, um dann wieder zur Phase der Massenakkretion überzugehen, die wieder etwa 80 Jahre in Anspruch nehmen wird. Das kosmos-os Team beobachtet den Stern T CrB sehr genau, um das im Frühjahr 2024 erwartete Schauspiel dokumentieren zu können. Wir haben einen eigenen Bericht zu diesem besonderen Ereignis, der hier zu finden ist.

Alles in allem ist die Nördliche Krone eine Fundgrube für alle Amateurastronomen, die sich mit Veränderlichen oder Doppelsternen beschäftigen.


Hier weiterführende Beiträge zur Nördlichen Krone:


  • T Coronae Borealis – Die Nova in spe
    Ein Stern im Sternbild Nördliche Krone wird beschrieben, für den in diesem Jahr 2024 ein drastischer Helligkeitsanstieg zu erwarten ist. Es wird auf die historischen Ereignisse dieser Nova, aber vor allem auf den heutigen Stand des Wissens über diesen regelmäßig etwa alle 80 Jahre aufleuchtenden Stern eingegangen.


Quellen:

[1] J. Patrick Henry and Ulrich G. Briel 1996 in ApJ 472 137  „AN X-RAY TEMPERATURE MAP OF ABELL 2142“

[2]  Howell, Steve B., Rector, Travis A., Walter, Donald in Publications of the Astronomical Society of the Pacific, Volume 125, Issue 930, pp. 879 (2013)

[3] Mirasterne https://de.wikipedia.org/wiki/Mirastern

[4] T. Gastine and B. Dintrans A&A 484, 29-42 (2008) Direct numerical simulations of the κ-mechanism

[5] Algolsterne https://de.wikipedia.org/wiki/Algolstern

[6] Kataklysmische Doppelsterne https://de.wikipedia.org/wiki/Kataklysmisch_ver%C3%A4nderlicher_Stern