Polarlicht über Osnabrück

Ein Bericht zum Polarlicht vom 19./20.01.2026 mit Bildern und Eindrücken von Dr. Gerold Holtkamp, Dr. Thomas Kunzemann, Carsten Debbe, Olaf Homeier, Anja Drews und Dr. Achim Tegeler


Die Sonne ist auch im Januar 2026 noch sehr aktiv und hat der Erde am 18.01. um 19:09 Uhr eine riesige Wolke geladener Teilchen (Sonnenwind) entgegengeschleudert. Diese Teilchen waren mit der ungeheuren Geschwindigkeit von ca. 1700 km/s unterwegs und trafen daher bereits am 19.01. gegen 20:30 Uhr auf die Erdatmosphäre – nach ca. 150 Millionen km Reise in nur 25 Stunden!

Die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration – Space Weather Prediction Center)  hatte bereits am frühen Abend die ersten Meldungen gesendet, dass es zu erheblichen Einflüssen auf der Erde kommen würde (bis hin zu einem Kp-Wert von 8 bis 9!).

Viele von uns sind deshalb trotz der Kälte draußen gewesen und haben nach Polarlichtern geschaut – und ja, was für ein Schauspiel am Himmel:


Gerold Holtkamp hat aus dem heimischen Garten am Osnabrücker Sonnenhügel beobachtet und das Farbenspiel fotografiert – hier seine Eindrücke:

„Die Nacht vom 19. auf den 20. Januar sollte klar werden. Nach sehr langer wolkenverhangener Zeit würde endlich mal wieder astronomisches Beobachten möglich sein. Für die zweite Nachthälfte war sogar starkes Polarlicht vorausgesagt.

Ob es bis zu uns reichen würde, war nicht sicher. So hatte ich mein Teleskop mit Kamera aufgebaut und bereits eine mehrstündige Aufnahmeserie begonnen.

Was dann am Himmel geschah, war atemberaubend. Zunächst war der Nordhorizont heller als gewöhnlich. Im ersten Moment dann schien es mir so, als sei an einigen Stellen der Himmel mit Discostrahlern beleuchtet. Schnell war mir klar, dass es schon das angekündigte Polarlicht war. Was für eine Lichtshow baute sich dort oben am Himmel auf! Ein grünes Band am Horizont, dann darüber sich bewegende Vorhänge in Rot mit deutlich erkennbaren Streamern und schließlich sogar grünes Polarlicht direkt über mir und sogar im Süden. So etwas hatte ich in Osnabrück noch nicht erlebt!“






Und hier zwei animierte Aufnahmen von Gerold:



Thomas Kunzemann hat aus Preußisch Oldendorf beobachtet – seine Eindrücke:

„..Als dann abends erste Berichte über Sichtungen kamen, machte ich mich auf den Weg ins freie Feld nördlich von Offelten. Dort ist es recht dunkel und man hat freie Sicht zum Horizont, insbesondere nach Norden. Dort zeigte sich nur ein schwaches rotes Glühen und eine grünliche Aufhellung am Nordhorizont. Von früheren Polarlichtbeobachtungen wusste ich, dass sich das aber schnell ändern kann, und deshalb baute ich meinen Fotoapparat aufs Stativ und wartete ab. Schon nach kurzer Zeit verstärkte sich der grüne Bogen im Norden und auch das rote Licht darüber wurde deutlich heller. Im roten Anteil erschienen dann auch erste Streamer, das sind hellere Säulen, die durch magnetische Feldlinien geformt werden. Das grüne Licht nahm stärker zu und überstrahlte sogar einige Sterne im Großen Wagen, der zu dieser Zeit mit der Deichsel nach unten im Nordosten stand. Das grüne Leuchten wurde so stark, dass ich sogar meinen eigenen Schatten erkennen konnte. Dann geschah etwas für unsere Breiten Ungewöhnliches: Es erschienen hellgrüne Streifen am Himmel, die wie Vorhänge umherwaberten. So etwas sieht man normalerweise nur viel weiter im hohen Norden. Im Sekundentakt veränderten diese grünen Streifen ihre Formen und tanzten über den ganzen Himmel. Sogar im Süden, im Sternbild des Orion, tauchten sie auf. Nach über einer Stunde verschwanden die grünen Vorhänge vom Himmel und es zeigte sich noch ein eindrucksvolles Farbenspiel am Nordhimmel, das noch eine halbe Stunde anhielt.“






Olaf Homeier hat aus seinem Garten in Pye beobachtet und das Farbenspiel über den Häusern bewundert:



Olafs Allsky-Kamera hat das Schauspiel über die ganze Nacht aufgezeichnet:


Carsten Debbe hat von Melle aus beobachtet und schrieb in die Runde:

„Ich war nur mit einer Kamera draußen. Man wusste ja gar nicht wo zuerst hindrehen…“

Er hat seine Bilder zu einem kleinen Film zusammengestellt, den man auch auf unserem Youtube-Kanal betrachten kann 



Achim Tegeler hat sich auf den Weg zum ehemaligen Sportplatz der Britischen Streitkräfte am Fürstenauer Weg gemacht und konnte das Farbenspiel im Norden über dem beleuchteten Gelände der Spedition Koch beobachten:



Doch etwas später war auch im Süden und Westen richtig was los.



Muss man da nicht an das alte Kinderbuch „Die grüne Wolke“ von A.S. Neill denken?

Anja Drews hat den Montagabend im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen. Doch wer sagt, dass man nicht auch noch am nächsten Abend Polarlichter erspähen kann:

„Nachdem ich die Polarlichter am Montag verschlafen hatte, bin ich am Dienstag den 20.01. 26 nochmal frohen Mutes losgefahren, um zu fotografieren. Und ich hatte Glück. In Hasbergen, konnte ich eine super Beobachtungsstelle finden, mit freiem Blick nach Nordwesten.“



Die Sonne hat uns ja schon im Jahr 2024 mit wirklich tollen Polarlichtern „versorgt“ (siehe unsere Berichte), aber so ein Schauspiel wie am 19./20.01.2026 haben wir in Osnabrück wohl noch nicht gehabt – grüne Polarlichtvorhänge im Süden – kaum zu glauben!

Ein eindrucksvolles Erlebnis für alle, die das mit eigenen Augen erleben konnten!

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