Astronomie mit 75 – warum sich ein 75-Jähriger ein Smartteleskop kauft…

Ein Bericht von Bernd Neeb, März 2026


Grundvoraussetzung für eine solche Entscheidung ist natürlich das Interesse für die Astronomie und Fotografie. Das besteht bei mir nun schon seit gut 60 Jahren. Damals allerdings war die Astrofotografie für Amateure recht kompliziert, zeitaufwändig und auch teuer. Daher beschränkte sich die Erkundung des Himmels für mich viele Jahre lang auf die Beobachtung des Himmels mit Ferngläsern sowie einem 10 cm Spiegelteleskop aus dem Kaufhaus.

Durch Zufall fand ich dann vor einigen Jahren zur Gruppe „kosmos-os“.

Eigene Himmelsbeobachtungen mit unseren beiden Ferngläsern sind von unserem Balkon aus aufgrund des stark aufgehellten Großstadthimmels nur wenig ergiebig. Zudem lässt mit dem Alter auch das Sehvermögen bei Dunkelheit stetig nach.

Anlässlich der internationalen Aktion „On the Moon again“, bei der auch kosmos-os aktiv war, sah ich dann zum ersten Mal ein Seestar S50 in Aktion. Ein kleines, leichtes schwarzes Gerät mit einem im Vergleich mit den anderen Teleskopen unscheinbaren 50 mm Objektiv. Hindurchschauen konnte man zwar nicht. Allerdings konnte man den Mond gestochen scharf auf dem Display eines Tablets ganz in Ruhe betrachten. Das Seestar weckte sofort mein Interesse und der kosmos-os Kollege, dem es gehörte, hat alle meine Fragen zur Funktion seines Teleskops ausführlich und geduldig beantwortet. Er zeigte auch etliche auf dem Tablet gespeicherte Aufnahmen von Himmelsobjekten, die er damit bereits gemacht hatte. Wirklich sehr beeindruckende Bilder.


Mein Seestar S 50 beim Aufladen und ich

Die Handhabung ist nicht schwerer als die Bedienung eines Smartphones, eines Tablets oder eines PC. Es arbeitet weitgehend automatisch, sodass es nahezu ohne Vorkenntnisse benutzt werden kann. Dazu beansprucht es wenig Platz in der Wohnung, kann leicht auf Reisen mitgenommen werden und es ist finanziell erschwinglich. Zudem arbeitet es auch bei minus 8° Celsius noch einwandfrei, während man es bequem aus dem warmen Zimmer per WLAN steuern kann.

Nachdem in unserer Gruppe in den letzten Monaten noch zwei weitere Seestar-Teleskope angeschafft wurden, habe ich mich dann auch entschlossen, trotz der bei mir sehr eingeschränkten Sichtverhältnisse (nur ein kleiner Himmelsauschnitt vom Balkon aus nutzbar, starke Lichtverschmutzung dazu der Staub und Dunst einer Großstadt) das Seestar S50 zu kaufen, um endlich wieder optische Himmelsbeobachtung zu ermöglichen. Der Preis betrug im November 2025 559,- Euro. Die Lieferung erfolgte dann einen Tag vor Weihnachten.

Die Inbetriebnahme anhand der Betriebsanleitung verlief ohne Probleme. Anders sah es bei den ersten Aufnahmen aus. Da machte sich doch sehr die fehlende Erfahrung bemerkbar. In den ersten klaren – aber kalten – Nächten konnten etliche Objekte bei guten äußeren Bedingungen aufgenommen werden. Leider sind fast alle Bilder verloren gegangen, weil ich den Akku des Seestar bei den tiefen Temperaturen viel zu stark beansprucht habe. Das führte zu einer ungewollten Abschaltung des Gerätes (bei laut Anzeige in der App noch 20 % Kapazität) mit der Folge, dass alle Fotos im Speicher verloren gegangen sind, weil die Festplatte danach neu formatiert werden musste. In dann kommenden klaren Nächten habe ich vielfach einfach zu kurz belichtet. Die Aufnahmen waren dann ziemlich verrauscht. Und ich musste lernen, dass an meinem Standort alle Objekte, die nicht mindestens 25 bis 30 Grad über dem Horizont stehen, nicht allzu gut zu fotografieren sind. Seitdem achte ich darauf, die Objekte so auszuwählen, dass sie möglichst hoch über dem Horizont stehen und eine ausreichend lange Belichtung möglich ist.


Der Mond im Seestar S50 am 25.02.2026


Wieviel Belichtungszeit mit dem Seestar S50 für ein bestimmtes Objekt erforderlich ist verrät z. B Google [1]. Ich habe dann 36 Minuten belichtet. Der offene Sternhaufen h und χ Persei (Ha und Chi) z.B. stand dann „nur“ noch etwa 30 Grad über dem Horizont.

Zum Schluss noch kurz bezüglich meiner Erfahrungen betreffend die Nachbearbeitung der Aufnahmen. Zu Beginn wurde auf eine Nachbearbeitung weitgehend verzichtet. Die Ergebnisse waren unbefriedigend. Es folgte ein Versuch mit Siril (kostenlose Bildverarbeitungssoftware zur Kalibrierung, Ausrichtung und Stacking von astronomischen Aufnahmen). Das war eigentlich gut gelungen. Jedoch braucht die Einarbeitung in das Programm Zeit, und für schnelles Arbeiten sind die Anforderungen an die Hardware schon recht hoch. Also habe ich mich bei der Aufnahme von h und χ Persei auf die vom Seestar S50 bereitgestellten Tools („Stacking“ sowie „AI denoise“ sowie Einstellungen zur Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Bildbeschneidung) beschränkt, und bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden.


H und chi Persei nach 36 min im S50 unbearbeitet


H und chi Persei nach 36 min im S50 mit „Bordmitteln“ des S50 bearbeitet

Das Gerät macht mir viel Freude und ich freue mich schon auf die nächsten klaren Nächte. Ich kann das kleine Smartteleskop nur jedem Astronomie-Interessierten empfehlen, der Bilder von Nebeln, Sternhaufen, Mond oder Sonne machen möchte – nur für Planeten ist die Brennweite dann doch etwas zu klein, aber alles geht eben nicht mit einem Gerät… für das Geld ist aber kaum mehr zu wollen.



[1] Empfehlungen von Google zur Belichtungszeit von h und chi Persei:

Für den Doppelsternhaufen h und chi Persei (NGC 869 & NGC 884) mit dem ZWO Seestar S50 gelten folgende Empfehlungen für die Belichtungszeit:

  • Mindestdauer: Bereits nach 15 bis 20 Minuten Gesamtebelichtungszeit erhältst du ein sehr ansehnliches Bild, da offene Sternhaufen im Vergleich zu schwachen Nebeln sehr hell sind.
  • Optimale Dauer: Eine Belichtung von etwa 30 bis 40 Minuten ist ideal, um die Sternfarben (insbesondere die rötlichen Überriesen) gut herauszuarbeiten und das Bildrauschen im Hintergrund deutlich zu reduzieren.
  • Einzelbelichtungen (Subs):
    • Verwende standardmäßig 10-Sekunden-Einzelbilder. Dies minimiert Ausschuss durch Nachführfehler oder Windböen.
    • Falls du den Seestar S50 perfekt nivelliert hast, kannst du auf 20 Sekunden erhöhen, um die Effizienz zu steigern, wobei bei Sternhaufen der Vorteil gegenüber 10 Sekunden geringer ausfällt als bei Galaxien. 

Warum nicht länger?
Bei Sternhaufen tritt schneller ein „Sättigungseffekt“ ein. Zu lange Belichtungszeiten (über 60 Minuten) bringen oft keinen sichtbaren Detailgewinn mehr, da die Sterne lediglich heller („ausgebrannt“) erscheinen können, anstatt mehr Struktur zu zeigen. Zudem begrenzt die Bildfelddrehung des Azimutal-Systems beim Seestar bei sehr langen Sessions die nutzbare Bildfläche.“ 


Weitere Literatur, die ich genutzt habe:

Astrofotografie leicht gemacht – Die Smartscopes Seestar S 50 und S 30  in der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ in Heft 3/2026

Smart-Teleskope – Verblüffend tiefer Blick ins Universum

in der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ in Heft 4/2026

en_US