Exoplanet TOI-1859b – der „Ausreißer“

Beitrag von Dr. Gerold Holtkamp, 24. April 2026


Es wird die Messung der Transitlichtkurve des Exoplaneten TOI-1859b  vom 7. bis 8. April 2026 beschrieben. Das Ergebnis zeigt eine starke Abweichung von den vorhergesagten Transitzeiten. Der Vergleich mit anderen in derselben Nacht aufgenommenen Lichtkurven anderer Autoren zeigt, dass es sich nicht um einen Messfehler handelt.


Das Beobachtungsobjekt

TOI-1859b wurde 2023 entdeckt. Von der Erde aus gesehen befindet er sich im Sternbild Drache in 727 Lichtjahren Entfernung. Er hat den 0,87-fachen Radius des Jupiters und bewegt sich auf einer stark elliptischen Bahn (Exzentrizität 0,6) um seinen Mutterstern mit einer großen Halbachse von 51 Mio. km. Sein Mutterstern ist von Spektraltyp F7V, hat eine 1,3-fache Sonnenmasse, den 1,4-fachen Sonnenradius und eine Oberflächentemperatur von 6300 °C. Es soll einen Begleitstern vom Spektraltyp M geben [1].


Als für den 7. April 2026 vom Exoclock-Projekt der Exoplanet TOI-1859b als geeignetes Beobachtungsobjekt vorgeschlagen wurde, wollte ich mich an die durchaus herausfordernde Aufgabe wagen [2]. Schließlich war die zu erwartende Absenkung der Helligkeit des Muttersterns mit 5,35 mmag sehr gering. Dafür hatte dieser Planet eine Besonderheit: Eine besonders lange – für mich die bisher längste – Umlaufzeit von 63,4 Tagen. Im Exoclock-Projekt gab es dort außer den Messungen der Raumsonde TESS keine erdgebundenen Messungen der Transitlichtkurve. Das machte es natürlich noch reizvoller.


Die Messung

Die Nacht war klar. Der Mond hatte 69 % Beleuchtung und 98° Abstand zum Stern TOI-1859. Er ging um 2:54 Uhr MESZ auf und um 9:13 Uhr MESZ unter.  Beim Meridiandurchgang um 6:04 Uhr MESZ war er gerade einmal 8,7° hoch. Er hatte also vermutlich keinen Einfluss auf die Messung [3].

Die vom Exoclock-Projekt für meinen Beobachtungsstandort in Osnabrück für den Transit vorgegebenen Zeiten waren [4]:

Beginn: 23:51 Uhr MESZ (23:54)
Mitte: 2:15 Uhr MESZ (2:37)
Ende: 4:39 Uhr MESZ (5:21)

(Die Zeitangaben in Klammern sind die Angaben des Transitfinders des US-amerikanischen Swarthmore College [5])

Die Transitdauer von 4,8 Stunden zusammen mit den jeweils einstündigen Plateau-Messungen vor dem Beginn und nach dem Ende des Transits ergab eine Gesamtmessdauer von 6,8 Stunden.

Als Teleskop kam ein Skywatcher Newton mit 305 mm Öffnung und 1200 mm Brennweite zum Einsatz. Es wurden 275 Aufnahmen mit der Monokamera QHY268M erstellt. Es wurde ein Rotfilter der Marke Antlia eingesetzt. Die Belichtungszeit betrug 90 s.

Die Justierung der Aufnahmen mit den zugehörigen Dark-, Flat-, Flatdark- und Bias-Aufnahmen erfolgte mit der Software HOPS des Exoclock-Projekts [6].


Diskussion des Ergebnisses

Die gewonnenen Messdaten habe ich auf der Exoclock-Homepage hochgeladen. Dort erfolgte dann eine Auswertung mit entsprechender Auswertung. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur eine weitere Messung aus derselben Nacht von. Diese Messung traf Start, Mitte und Ende des Transfer von TOI-1859b recht genau. Bei meiner Messung lagen dagegen die Transferzeiten um 61 Minuten hinter den vorhergesagten Werten!


Die eigene Messung in der Exoclock-Darstellung [7]


Es dauerte etwa einen Tag, bis weitere Messungen aus derselben Nacht auf Exoclock eintrafen. Die aber bestätigten meine gemessene Abweichung!


Diagrammdarstellung der Abweichung der gemessenen Transitmitten vom erwarteten Wert in Minuten (O-C = Observed – Calculatet, Epoch = Umlauf des Exoplaneten) [8]


Tabellarische Darstellung der Abweichung der gemessenen Transitmitten vom erwarteten Wert in Minuten [8]


Zunächst hatte ich bei mir und später auch beim Exoclock-Projekt ein Problem bei der Umrechnung von MESZ auf UTC vermutet. Im o.g. Transitfinder findet sich aber die fast gleiche Startzeit (+3 Min.). Allerdings weicht dort die Transitmitte bereits um +22 Min. und das Transitende um +42 Min. ab. Das kann ein Hinweis auf unterschiedliche Ausgangsdaten bzw. unterschiedliche Berechnungen sein.

Eine andere Möglichkeit ist allerdings auch, dass sich im System des Sterns TOI-1859 etwas ereignet hat, dass diese Veränderung  bewirkte. Diese starke Abweichung von den aus der Literatur entnommenen Transitdaten veranlasste das Exoclock-Team aber unmittelbar, den Status von TOI-1859b von „High“ auf „Alert“ zu setzen. Das bedeutet, dass sehr dringend weitere Messungen benötigt werden, um dieses Ergebnis zu verifizieren. Diese Transitzeiten sollen nämlich beim für 2030 geplanten Ariel-Satelliten eine exakte Planung der Beobachtungszeiten ermöglichen [9]. Eine Stunde Abweichung wäre eine sehr teure Abweichung für dieses weltraumgestützte Exoplaneten-Beobachtungsprogramm.

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[1] https://exoplanet.eu/catalog/toi_1859_ab–8681/

[2] https://www.exoclock.space

[3] https://www.timeanddate.de/mond/deutschland/osnabrueck

[4] https://www.exoclock.space

[5] https://astro.swarthmore.edu/transits/

[6] https://www.exoworldsspies.com/en/software/

[7] https://www.exoclock.space/database/observations/TOI-1859b_151_2026-04-08_Gerold_3251_R/

[8] https://www.exoclock.space/database/planets/TOI-1859b/

[9] https://arielmission.space/

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