Gülpe ist ein kleines Dorf im Westhavelland. Während der ein oder andere schon einmal etwas vom Westhavelland gehört hat, ist Gülpe vermutlich unbekannt. Nicht so bei Astronomen. Denn dort gibt es einen richtig dunklen Himmel! Man kann nachts noch ohne Probleme die Milchstraße mit bloßem Auge sehen und z.B. auch den Andromeda-Nebel, der kein Nebel ist, sondern unsere riesige Nachbargalaxie. Sie ist das am weitesten entfernte für das bloße Auge noch sichtbare Himmelsobjekt.
Kein Wunder also, dass wir von kosmos-os uns entschlossen hatten, in diesem Sommer um Mitte August, in der Nähe der Neumondphase, wenn der Mond nicht stört, in Gülpe unser Astronomie-Camp aufzuschlagen. So haben sich Achim, Burkhard, Gerold, Thomas G., Ulrich und Werner auf den etwa fünfstündigen Weg gemacht. Auf einem alten Sportplatz konnten wir dort unser Lager, bestehend aus Teleskopen (natürlich), Zelten bzw. zu Behausungen umfunktionierten Autos, aufschlagen. Einige kamen früher, andere später, einige blieben kürzer, andere länger, je nach zur Verfügung stehenden freien Zeit.
Das Wetter war gemischt. Wenn aber die Nacht klar war, dann zeigte sich der Sternenhimmel in all seiner Pracht. Hoch am Himmel „fliegt“ der Schwan, das markante Sternbild, vor dem leuchtenden Band der Milchstraße, begleitet von Wega, dem sehr hellen Hauptstern in der Leier. Im Verlauf der Nacht steigen im Osten weitere beeindruckende Sternbilder auf und mit ihnen viele interessante Himmelsobjekte. Die Andromeda Galaxie steht dann fast im Zenit und ist mit bloßem Auge deutlich zu erkennen, in einem Fernglas sieht man sogar ihre enorme Ausdehnung und Form am Himmel. Fast mystisch dann auch die Plejaden über dem Horizont. Man versteht, warum sie in vielen Kulturen eine besondere Rolle spielten. Gegen Morgen geht dann auch schon Orion auf, begleitet vom Sternbild Zwillinge mit den Hauptsternen Castor und Pollux.
Unten auf der Erde waren wir aktiv mit unseren Teleskopen und Kameras, um tief ins Weltall vorzudringen. Natürlich mussten wir bei der eingesetzten hochkomplizierten Technik die eine oder andere Hürde nehmen, aber im Teamwork haben wir alles gemeistert. Es entstanden farbenprächtige Aufnahmen. Es wurde aber auch die Helligkeit der seit Monaten erwarteten Nova im Sternbild Nördliche Krone untersucht, leider mit dem Ergebnis, dass wir uns noch in Geduld üben müssen.
Nach unserer Rückkehr in Osnabrück waren wir sicher, dass wir wiederkommen werden: Nach Gülpe ist vor Gülpe!
Impressionen:

Aufnahme: Gerold Holtkamp

Aufnahme: Werner Wöhrmann

Aufnahme: Werner Wöhrmann

Aufnahme: Gerold Holtkamp

Aufnahme: Ulrich Landwehr

Aufnahme: Ulrich Landwehr

Aufnahme Ulrich Landwehr

Die Punkte zeigen die von Amateuren weltweit gemessenen Helligkeiten im grünen und blauen Spektralbereich. Die orangefarbenen Kreuze markieren die Messungen von Gerold Holtkamp in Gülpe.
Quelle: AAVSO